Europäische Tunnel-Sicherheitsforschung im 5. Rahmenprogramm
Als Konsequenz aus den verheerenden Brandunfällen innerhalb der letzten Jahre hat die Europäische Kommission neben den intensiven Überlegungen zur Aufstellung von Direktiven bezüglich der brandschutztechnischen Mindestausstattung von Tunneln für den Straßen- und Eisenbahnverkehr auch eine Reihe wichtiger Forschungsprojekte auf den Weg gebracht. Im Einzelnen handelt es sich dabei um 7 multinationale Vorhaben, die im Zusammenhang mit dem 5. Forschungsrahmenprogramm der EU finanziert werden/wurden [10].
Die Ziele und generelle Struktur dieser Projekte sollen im Folgenden kurz erläutert werden:
- DARTS (Durable And Reliable Tunnel Structures) wurde ebenfalls im März 2001 begonnen und ist im Frühjahr 2004 ausgelaufen. Die Koordination lag in den Händen von COWI (Consulting Engineers & Planners AS), Dänemark. Das Projekt umfasste 8 europäische Partner und gliederte sich in 6 technische Arbeitspakete. Es befasste sich vor allem mit der Problematik von Kostenüberschreitungen beim Bau unterirdischer Verkehrsanlagen, die in Einzelfällen mehr als 100 % des ursprünglich kalkulierten Finanzrahmens ausgemacht haben. Darüber hinaus ging es um die Einschränkung und Vermeidung von Bauzeitverzögerungen sowie um die Verbesserung der Qualität und Nutzungsdauer von Tunneln als dem kostenaufwändigsten Bestandteil im Rahmen der gesamten Verkehrsinfrastruktur.
Die im Rahmen des DARTS-Projektes erzielten wesentlichen Neuerungen sind in einem integrierten Entwurfskonzept für Neuanlagen zu sehen. Dies bezieht von Anfang an geotechnische Aspekte, Gesichtspunkte der gesamten Nutzungsdauer, mögliche Risikoereignisse während der Nutzung, umwelttechnische Belange und gesellschaftspolitische Erfordernisse, betriebstechnische sowie wartungstechnische Gesichtspunkte und schließlich wirtschaftliche Überlegungen mit ein. Alle diese Faktoren sind zusammengefasst in einem praxis- und betrieblich orientierten Modell für die Festlegung konstruktiver und betrieblicher Einzelheiten zur Optimierung jedes einzelnen Tunnelprojekts. Dabei wurden die wichtigsten derzeit üblichen Arten von Tunnelbauwerken berücksichtigt, wie z.B. Tunnel in Fels, maschinell aufgefahrene Tunnel, nach der Spritzbetonbauweise erstellte Tunnel, Absenktunnel sowie Tunnel, die in offener Bauweise zu errichten sind.
- FIT (Fire In Tunnels) wurde im März 2001 gestartet und ist auf eine Laufzeit von 4 Jahren ausgelegt. Dieses "thematische Netzwerk" umfasst 33 Partner aus 12 europäischen Ländern. Es wird koordiniert von BBRI (Belgian Building Research Institute) in Belgien. Mit diesem Netzwerk werden europa- und weltweit Informationen über bereits vorliegende Forschungsergebnisse und generelle Erfahrungen zum Brandschutz in Verkehrstunnelanlagen gesammelt. Zu diesem Zweck wurden 6 Datenbanken eingerichtet, die sich auf Forschungsprojekte, brandtechnische Versuchseinrichtungen, numerische Berechnungsmodelle von Brandabläufen und Rauchausbreitung, brandschutztechnische Ausrüstungen, Brandereignisse und Fallbeispiele für die Nachrüstung von Tunneln konzentrieren. Drei Arbeitspakete befassen sich innerhalb des FIT-Projektes mit verschiedenen grundlegenden Fragen. Hierzu zählen die Festlegung von Bemessungsbränden, die Zusammenstellung und Auswertung von Richtlinien und Empfehlungen für brandschutztechnisch geeignete und optimierte Entwurfsgrundsätze sowie Empfehlungen optimierter Maßnahmen zur Entfluchtung, Fremdrettung und Brandbekämpfung. Die entsprechenden Teilberichte sind zwischenzeitlich im Entwurf weitgehend fertiggestellt.
- Safe Tunnel (Innovative Systems and Frameworks for Enhancing of Traffic Safety in Road Tunnels) ist im September 2001 angelaufen und für eine Projektdauer von 3 Jahren ausgelegt. Die 9 Partner werden koordiniert von Centro Ricerche FIAT, Italien. Dieses Forschungsprojekt soll vor allem dazu beitragen, die Zahl der Unfälle in Straßentunneln durch vorbeugende Sicherheitsmaßnahmen zu reduzieren. Dabei geht es besonders auch um die Verringerung von Ausmaß und Zahl der Brandunfälle. Die Grundidee hierbei zielt darauf ab, Fahrzeuge mit Unregelmäßigkeiten wie beispielsweise überhitzte Motoren, blockierte Bremsen oder bereits entstandene Schwelbrände messtechnisch vor der Einfahrt in den Tunnel herauszufiltern und anzuhalten. Es geht aber auch darum, die Geschwindigkeit der Fahrzeuge innerhalb eines Tunnels zu überwachen, um Geschwindigkeitsüberschreitungen zuverlässig feststellen und ahnden zu können.

- Abbildung 4: Für Versuchsfahrten im Rahmen des Projektes "Safe Tunnel" ausgerüsteter LKW








