Tunnel-Sicherheitsforschung der EU im 6. Rahmenprogramm
Auch im 6. Forschungsrahmenprogramm setzt die EU ihre Anstrengungen fort, die Sicherheit in den Verkehrstunneln nachhaltig zu verbessern.
Hier ist vor allem ein Projekt zu nennen, das im März 2005 angelaufen ist:
- L-SURF (Design Study for a Large-Scale Underground Research Facility on Safety and Security) Die Forschung zu Sicherheitsfragen in geschlossenen unterirdischen Bereichen ist von hoher Bedeutung, wie eine Reihe von Vorfällen in der jüngeren Vergangenheit (Tunnelbrände, Terrorangriffe in U-Bahnen, etc.) gezeigt haben. Die in der EU gegenwärtig vorhandene Kompetenz und Erfahrung zu Sicherheitsfragen in unterirdischen Anlagen, wie Verkehrstunnel, Haltestellen von U-, Stadt- und S-Bahnen, Einkaufsmeilen, Verkaufsgeschossen etc. ist jedoch großenteils unstrukturiert und fragmentiert. Sie richtet sich vorwiegend nach den jeweiligen nationalen Bedürfnissen. Insbesondere gibt es gegenwärtig keine großmaßstäbliche Forschungseinrichtung zu diesem Themenbereich. Bei dem internationalen Symposium mit dem Titel "Safe and Reliable Tunnels" im Februar 2004 in Prag wurde die Notwendigkeit einer europäischen Initiative für eine solche Forschungseinrichtung ausdrücklich festgestellt.
Durch die Designstudie L-Surf werden alle relevanten Aspekte für die Errichtung einer Forschungseinrichtung für die Sicherheit in unterirdischen geschlossenen Räumen zu einem solchen Detailgrad ausgearbeitet, dass letztlich eine Gesellschaft mit den notwendigen Strukturen und Aktivitäten gegründet werden kann. Ferner sollen Entwurfskonzepte und Pläne für die bauliche Einrichtung und den Betrieb der Forschungseinrichtung entwickelt werden.
Die wesentlichen Inhalte der Designstudie für L-Surf sind:
- die bauliche Planung der Forschungseinrichtung, die soweit möglich auf einem völlig neuen Raumkonzept basieren wird, mit dem beliebige Konturen und Größen von geschlossenen Räumen erzeugt werden können. Weitere Aspekte der Planung sind die erforderliche Installationstechnik sowie die Umweltverträglichkeit der durchzuführenden Versuche. Dieses Konzept wird völlig neuartige Ansätze für die Forschung und Entwicklung im Bereich der Sicherheitstechnik erlauben. Das Konzept wird so vielseitig sein, das sowohl die Sicherheit des Baupersonals bei der Herstellung von unterirdischen Anlagen als auch die Sicherheit des Personals und der Nutzer während des Betriebs und bei der Wartung solcher Bauwerke berücksichtigt werden können.
- Beschreibung einer innovativen Messtechnik, die sich am neuesten Stand der Technik (unter Einbeziehung der Nanotechnologie) orientiert;
- eine grundlegende Auswertung des europäischen Forschungsbedarfs und eine Beschreibung der zukünftigen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von L-Surf;
- Entwicklung eines Integrationsprozesses für bestehende und geplante nationale Forschungseinrichtungen innerhalb der EU unter Berücksichtigung der jeweils vorhandenen Kompetenzen und des verfügbaren Forschungspersonals. Damit können die zugehörigen europäischen Kompetenzen neu strukturiert, gebündelt und verbessert werden. Gleichzeitig lassen sich so aber auch Wege aufzeigen, um Forschungsgelder wirtschaftlicher einzusetzen.
- Es sollen Wege und Möglichkeiten erarbeitet werden, um die notwendigen Fördermittel für die verschiedenen Stufen bei der Gründung der Forschungseinrichtung effizient einzusetzen.
- Entwurf eines Business-Plans für die neu zu gründende Gesellschaft (z.B. nach dem Vorbild von CERN), deren Aufgabe die Gründung und der Betrieb der neuen Forschungseinrichtung L-Surf ist.
Die Partner des Konsortiums erklären sich gemeinschaftlich bereit, eine solche Gesellschaft auf der Basis des zu entwickelnden Business-Plans innerhalb des Rahmens dieser Design Studie zu gründen.
Die Partner sind:
- VSH - Versuchsstollen Hagerbach, Sargans, Schweiz
- SP - Swedish National Testing and Research Institute, Boras, Schweden
- STUVA - Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen e. V., Köln, Deutschland
- TNO - Toegepast Natuurwetenschappelijk Onderzoek, Delft, Niederlande
- Ineris - Institut National de l'Environnement Industriel et des Risques, Verneuil-en-Halatte, Frankreich
Die L-Surf-Design-Studie wird die Grundlage für eine neue Forschungs-Infrastruktur für die Sicherheit in unterirdischen Bauwerken sein. Nach einer erfolgreichen Beendigung der L-Surf-Design-Studie werden die nachfolgenden Schritte folgen:
- Eine detaillierte technische Beschreibung und Entwurfsplanung als Grundlage zur Erstellung einer Ausschreibung, für die dann öffentliche und private Fördermittel gesucht werden;
- Verpflichtung des notwendigen Personals für den Betrieb und die Verwaltung der Forschungseinrichtung
Die Grundlage für die Arbeiten an der L-Surf-Design-Studie bilden die Forschungsergebnisse des 5. Europäischen Rahmenprogramms (an dem die meisten Partner aktiv beteiligt sind). Insbesondere werden die Ergebnisse der nachfolgenden EU-Forschungsprojekte einfließen:
- FIT: European Thematic Network Fires in Tunnels
- DARTS: Durable and Reliable Tunnel Structures
- Safe-T: European Thematic Network Safety in Tunnels
- UPTUN: Upgrading Methods for Fire Safety in Tunnels
Die Integration der Arbeitsergebnisse dieser Forschungsprojekte wird zur besonderen Qualität der Arbeiten für die L-Surf Design-Studie beitragen und gewährleisten, dass L-Surf die logische Fortsetzung der Arbeitsergebnisse und des Know-hows aus diesen Projekten bilden wird.

- Abbildung 6: Runehamar Tunnel in Mittelnorwegen: Großbrandversuch mit einer LKW-Ladung im Oktober 2003







