Tunnel-Sicherheitsforschung der EU im 6. Rahmenprogramm (Forts.)
Ein wichtiger weiterer Forschungsansatz wird vom ADAC koordiniert:
- EuroTAP (European Tunnel Assessment Programme). Europas Straßentunnel sollen sicherer werden. Am Mittwoch, 19. Januar 2005 startete in München im Rahmen einer Fachtagung von ADAC und ÖAMTC (Österreichischer Automobil und Touring Club) das European Tunnel Assessment Programme (EuroTAP). In einem Mammut-Testprogramm werden in den kommenden drei Jahren insgesamt 150 Tunnel in ganz Europa auf ihre Sicherheit überprüft. Dabei geht es nicht zuletzt auch um die Sicherstellung, dass die Europäische Direktive Straße [3] eingehalten und umgesetzt wird. Die Resultate der ersten 50 in diesem Jahr im Rahmen von EuroTAP getesteten Tunnel werden Ende April 2005 vorgestellt.
Massive Unterstützung erhält die Aktion durch die Europäische Kommission in Brüssel, die das Projekt mit insgesamt 1,5 Millionen Euro fördert. Dazu kommt die Partnerschaft mit elf weiteren Automobilclubs aus zehn europäischen Ländern.
Bereits seit 1999 überprüft EuroTest, die gemeinsame Testorganisation der europäischen Automobilclubs, die Sicherheit von Straßentunneln in ganz Europa. Fast ein Drittel der bislang überprüften Röhren boten zu wenig Sicherheit und fielen im Test durch. In der Zwischenzeit wurden aber an vielen der bemängelten Bauwerke Verbesserungen vorgenommen. Jüngste Beispiele: Die Tunnel Felbertauern in Österreich und San Juan in Spanien wurden nach harter Kritik nachgerüstet und mit Investitionen von jeweils mehr als vier Millionen Euro in sicherheitstechnischer Hinsicht entscheidend verbessert.
Neben den umfassenden Tunneltests wird EuroTAP auch Aspekte der bereits 2004 gestarteten Kampagne "Sicher im Tunnel" aufgreifen, die sich direkt an die Autofahrer wendet. Die Kampagne beinhaltet das Erstellen von Tunnelsteckbriefen auf den Internetseiten der beteiligten Automobilclubs, ein PC-Lernspiel sowie Info-Blätter über richtiges Verhalten in der Röhre. Aus den Testergebnissen und Prüfprotokollen soll ein Katalog erstellt werden, der künftig maßgeblich für die Sicherheitsausstattung von Straßentunneln sein wird. Weitere Einzelheiten sind den ADAC-Webseiten zu entnehmen:
www.adac.de.
Vorbereitung des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms
Zur Vorbereitung ihres 7. Forschungsrahmenprogramms unterstützt die Europäische Kommission seit dem Jahr 2004 verstärkt die Gründung und Bildung sogenannter Europäischer Technologie Plattformen (ETP). Darin finden sich die wichtigen Unternehmen und Institute aus Industrie und Forschung der verschiedensten Technologiebereiche zusammen, um für ihre Branche Visionen hinsichtlich der technischen Entwicklung in den nächsten 2 bis 3 Jahrzehnten aufzustellen und in strategische Forschungsprogramme zu übersetzen. Für die Baubranche ist die Gründung der "European Construction Technology Platform (ECTP)" besonders hervorzuheben, in der die Zukunft der europäischen Bauforschung in Fokusbereichen wie "Cities and Buildings", "Underground Construction", "Sustainability, Health and Safety", "Networks", "Quality of Life", "Materials" sowie "Cultural Heritage" mitgestaltet werden soll.
Es ist zu erwarten, dass die daraus hervorgehende strategische Forschungsagenda von der Europäischen Union bei der Aufstellung des 7. europäischen Rahmenprogramms für die Forschungsaktivitäten in den Jahren 2007 bis 2013 in besonderem Maße berücksichtigt wird.
Zur Unterstützung der ECTP und zur Sicherstellung, dass auch die jeweiligen nationalen Forschungsschwerpunkte und -interessen in ausreichendem Maße vertreten sind, wurden in vielen europäischen Ländern ergänzend Nationale Technologie Plattformen (NTP) gegründet. Dies erschien auch für Deutschland sinnvoll und erfolgte am 12. April 2005 mit Gründung der GCTP - German Construction Technology Platform. Die Arbeitsgemeinschaft GCTP soll künftig die Forschungsinteressen des deutschen Bauwesens bündeln und koordinieren sowie bei der Entwicklung europäischer Forschungsprogramme durch die ECTP vertreten. Die Partner der GCTP können ihre Ideen für den strategischen Forschungsbedarf im Bauwesen durch diese Plattform gezielt in den europäischen Prozess einspeisen. GCTP wie auch ECTP und die ca. 20 anderen nationalen Bau-Technologie-Plattformen werden ein vielseitiges praxisorientiertes Forschungsnetzwerk bewirken.
Die GCTP gliedert sich in gleicher Weise wie die ECTP in 6 Fokusbereiche. Die Arbeitsgemeinschaft ist offen für alle interessierten Stellen und Kreise. Zur Zeit weist die GCTP etwa 50 Mitglieder auf. Die Geschäftsstelle wird von der STUVA geführt mit Unterstützung durch eine 10-köpfige Lenkungsgruppe unter dem Vorsitz von Dr.-Ing. Klaus-Dieter Ehlers, Vizepräsident Technik des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie und Präsident des Deutschen Beton- und Bautechnik-Vereins. Die beiden stellvertretenden Vorsitzenden sind Prof. Dr.-Ing. A. Haack, STUVA, zugleich Geschäftsführer, und Prof. Dr. Josef Kunz, Präsident der BAST - Bundesanstalt für Straßenwesen.
Besonders zu erwähnen in diesem Zusammenhang ist auch die im Mai 2005 erfolgte Bildung des "COSUF - Committee on Safety for Underground Facilities in Operation" bei der ITA -
International Tunnelling Association, Lausanne, Schweiz. Die Mitgliederversammlung 2005 dieser internationalen Gesellschaft mit derzeit 53 Mitgliedsländern nahm den Vorschlag des ITA-Vorstandes zur Bildung eines solchen Komitees einstimmig an. Die Initiative ging von den 7 europäischen Forschungs- und Netzwerksprojekten (siehe Kapitel 2) aus, die im Laufe der letzten Jahre von der Europäischen Kommission in Konsequenz der verheerenden Brandunfälle in europäischen Straßentunneln im Rahmen des 5. Forschungsrahmenprogramms initiiert worden waren sowie von dem Projekt L-Surf aus dem 6. europäischen Forschungsrahmenprogramm. Im Zusammenhang mit diesen 7 + 1 Forschungsprojekten wurden verschiedene Konsortien gebildet, die europaweit insgesamt etwa 100 namhafte Institutionen, Forschungsgesellschaften, akademische Institute, Bauherren und Zulieferer repräsentieren. Das Komitee ist offen für alle interessierten Stellen weltweit. Mit seiner Einsetzung soll sichergestellt werden, dass das Forschungspotential mit Abschluss der jeweiligen Forschungsprojekte nicht verloren geht. Außerdem gehört es zu den Zielen dieses Komitees, die mit den Forschungsprojekten gewonnenen Erkenntnisse weltweit zu streuen, um so generell zur Verbesserung der Sicherheit in Tunneln für den Straßen-, Fernbahn- und U-Bahnverkehr beizutragen und sich an den künftigen EU-Forschungsaktivitäten im Bereich der betrieblichen und vorbeugenden Sicherheit zu beteiligen. Zum Vorsitzenden wurde Prof. Dr.-Ing. A. Haack von der STUVA (Deutschland), zum stellvertretenden Vorsitzenden Didier Lacroix von der CETU - Centre d' Etudes des Tunnels (Frankreich) durch die ITA-Mitgliederversammlung bestellt. Herrn Claude Berenguier, dem Generalsekretär der ITA, obliegt die Aufgabe des Tutors als Bindeglied zwischen dem Komitee und dem ITA-Vorstand. COSUF organisiert am 30. und 31.5.2006 als Folgeveranstaltung zum 1. International Symposium "Safe & Reliable Tunnels" im Februar 2004 in Prag das 2. Symposium und zugleich seine Gründungskonferenz. Bei dieser Veranstaltung werden die bisherigen Ergebnisse und Ziele der 7 + 1 Projekte erstmals zusammenfassend der Öffentlichkeit vorgestellt.

- Bild 7: Habsburgtunnel, Schweiz









