Rückblick 1. Münchner Tunnelbausymposium
Kategorie: Allgemein, Tunnelbau & Bautechnik, VeranstaltungenVon: Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Maximilian Fuchs
Am 29. Mai 2008 fand an der Universität der Bundeswehr München/D (UniBwM) das 1. Münchener Tunnelbau Symposium statt.
Die Veranstaltung wurde vom Förderverein für Konstruktiven Ingenieurbau der UniBwM zusammen mit der Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen e.V. (STUVA), Köln/D, zum ersten Mal ausgerichtet. Die Teilnehmerzahl übertraf mit etwa 300 Anmeldungen deutlich die Erwartungen der Initiatoren Univ.-Prof. Dr.-Ing. Conrad Boley, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Manfred Keuser, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jürgen Schwarz (alle UniBw München) und Dr.-Ing. Roland Leucker (STUVA).
Die 1. Fachsitzung zum Themenbereich "Innenschalen" eröffnete Dipl.-Ing. Christof Sänger (Ed. Züblin AG, Stuttgart/D) mit einem Vortrag zum Thema einschaliger contra zweischaliger Tübbingausbau bei TBM-Vortrieben. Die beiden folgenden Beiträge behandelten unbewehrte Tunnelinnenschalen, die in Deutschland bis dato nur selten ausgeführt worden sind, für die der Deutsche Ausschuss für unterirdisches Bauen e.V. (DAUB) aber nun Empfehlungen für die Planung ausgearbeitet hat. Dr.-Ing. Axel Städing - Partner im Ingenieurbüro Prof. Duddeck & Partner GmbH, Braunschweig/D und Mitglied im DAUB - berichtete über die DAUB-Empfehlungen zum Einsatz unbewehrter Tunnelinnenschalen. Diese Empfehlungen sind im Internet auf der Website des DAUB (
www.daub-ita.de) kostenlos verfügbar. Dipl.-Ing. Sebastian Schwaiger (Müller + Hereth GmbH, Freilassing/D) berichtete im Anschluss über den Sachstand und die Erfahrungen unbewehrter Tunnelinnenschalen in Österreich, wo diese Bauweise seit Jahrzehnten als Regelbauweise für Tunnelinnenschalen gilt. Die 1. Fachsitzung schloss Dr.-Ing. Frank Heimbecher von der Bundesanstalt für Straßenwesen, Bergisch-Gladbach/D, mit einem kritischen Vortrag über den Einsatz selbstverdichtender Betone (SVB) im Tunnelbau.
Die 2. Fachsitzung hatte die Ertüchtigung und Sanierung von Tunneln zum Thema. Dipl.-Ing. Matthias Breidenstein (DB Projektbau GmbH) stellte in seinem sehr interessanten Vortrag ein neues, hoch innovatives Bauverfahren zur Aufweitung bestehender Tunnelquerschnitte vor. Der 2. Referent, Dipl.-Ing. Klaus-Jürgen Bieger, bei der DB AG für Notfallplanung und Brandschutz verantwortlich, verdeutlichte in seinem Beitrag die erforderliche ganzheitliche Betrachtung des Themas Tunnelsicherheit. Im Anschluss referierte Dipl.-Ing. Wolf-Dieter Friebel (BMVBS, Bonn/D) über das bautechnische Nachrüstprogramm für Tunnel im Bereich der Bundesfernstraßen, für das bis 2012 bis zu 270 Mio. € aufgewendet werden sollen. Dipl.-Ing. Lutz Adam (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung der Stadt Berlin) berichtete zum Abschluss der 2. Fachsitzung über die sehr interessante Grundinstandsetzung und Erneuerung des Tunnelbauwerkes Tunnel Flughafen Tegel (TFT) in Berlin/D.
Thema der 3. Fachsitzung waren aktuelle Tunnelprojekte. Ltd. BD Dipl.-Ing. Lothar Eicher (Baureferat der Landeshauptstadt München/D) gab einen Überblick über den aktuellen Stand des Baus des U-Bahn-Tunnels für die Linie 3-Nord. Im Anschluss stellte Dipl.-Ing. Winfried Glitsch (DEGES, Berlin/D) den Bau der Station "Hauptbahnhof" für den City-Tunnel Leipzig/D vor und ging dabei insbesondere auf die Baugrubenvereisung ein. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Dr. phil. Konrad Bergmeister, Vorstand der Brenner Basis Tunnel SE, Innsbruck/A, berichtete in seinem sehr spannend vorgetragenen Beitrag über das Jahrhundertprojekt "Brenner Basistunnel". Der Kramertunnel bei Garmisch-Partenkirchen/D war Gegenstand des letzten Vortrags in dieser Fachsitzung, gehalten von BD Dipl.-Ing. Albert Ganser, Staatliches Bauamt Weilheim/D. Dieses Tunnelprojekt würde Garmisch-Partenkirchen um einen DTV von 16.000 Fzg./Tag entlasten. Derzeit wurde die Realisierung jedoch durch eine Klage des BUND Naturschutz vorerst gestoppt.
Abschließend wurden in der letzten Fachsitzung Rechtsfragen und Fragestellungen aus dem Bereich der Vertragsgestaltung behandelt. Dipl.-Ing. Peter Reichenspurner (DYWIDAG International GmbH, München/D) berichtete über seine Erfahrungen beim Bau der Metro in Algier/Algerien. Dipl.-Ing. Peter Schollmeier vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA) referierte über neue bauaufsichtliche Regelungen im Bereich des EBA, die aufgrund europäischer Forderungen notwendig wurden. Im 3. Vortrag wies Rechtsanwalt Dr. jur. Jochen Markus, Partner bei Kapellmann & Partner Rechtsanwälte, München/D, auf einige wichtige rechtliche Aspekte bei der Sicherung von Bestandsgebäuden bei Tunnelvortrieben hin. Den abschließenden Vortrag hielt Rechtsanwalt Dr. jur. Bastian Fuchs LL.M. zum Thema Risikoverteilung im Bauvertrag.
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Conrad Boley schloss die Veranstaltung mit einem positiven Fazit und äußerte in seinen Schlussworten den Wunsch, dass mit dem 1. Münchener Tunnelbau Symposium eine Tradition begründet sein möge, neben der etablierten STUVA-Tagung eine alternierend stattfindende Tunnelbautagung in Süddeutschland in zweijährigem Rhythmus stattfinden zu lassen. Abschließend wurde auf die nächste STUVA-Tagung, die vom 1. bis 3. Dezember 2009 im Congress Center Hamburg (CCH) stattfinden wird, hingewiesen.





