21-12-2009 12:23

STUVA-TAGUNG'09 in Hamburg

Kategorie: Veranstaltungen, STUVA-Tagung

Von: Stefanie Posch

Rückblick

 

Die STUVA-Tagung 2009 vom 1. bis 3. Dezember in Hamburg stand unter dem Motto Tunnel - Räume für zukunftssichere Mobilität. In Hamburg findet dieses Motto eindrucksvoll seine Bestätigung. Denn die zweitgrößte Metropole Deutschlands ist weiter stetig im Wachstum begriffen. Mit dem zweitgrößten europäischen Containerhafen und dem weltweit drittgrößten Standort für den zivilen Flugzeugbau stellt Hamburg einen hervorgehobenen Knotenpunkt für Logistik und Transport dar. Eine derartige Expansion ist ohne die Sicherstellung von Mobilität nicht möglich.

 

So fanden sich auch in diesem Jahr mehr als 1.500 Tunnelbauer aus 28 Nationen ein, um gemeinsam auf einer der weltweit größten Veranstaltungen zum unterirdischen Bauen Erfahrungen auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende aufzufrischen.

Eröffnet wurde die Tagung von Herrn Univ.-Prof. Dr.-Ing. Martin Ziegler, dem Vorstandsvorsitzenden der STUVA e. V. Seitens der gastgebenden Stadt Hamburg wurden die Tagungsteilnehmer von Herrn Senator Dr. Michael Freytag, Aufsichtsratsvorsitzender der HafenCity Hamburg GmbH und Aufsichtsratsvorsitzender der Hamburger Hochbahn AG, begrüßt.

 

Senator Freytag begrüßt die Teilnehmer der STUVA-Tagung'09 in Hamburg

 

Mit Betrachtungen zum Tunnel im Spiegel der Kultur begann dieses Mal auf recht ungewöhnliche und sehr unterhaltsame Weise mit dem ersten Grundsatzvortrag von Herrn Prof. Dipl.-Ing. Hartwig Beiche die Vortragsreihe. Herr Ministerialrat Dipl.-Ing. Joachim Naumann berichtete im zweiten Grundsatzvortrag zu aktuellen Entwicklungen im Straßentunnelbau sowie Erfahrungen bei der Tunnelnachrüstung. Der sich anschließende Vortragsblock gab einen Überblick über herausragende Großprojekte in Skandinavien. Diese Region stand in diesem Jahr im Fokus. Zum einen ist hier die geographische Nähe zu Hamburg im Norden Deutschlands gegeben. Zum anderen werden derzeit und in naher Zukunft herausragende Tunnelprojekte in diesem Teil Europas realisiert.

 

Ausgelöst durch nationale und internationale Ereignisse wurde bei der diesjährigen Tagung dem Thema Sicherheit beim Tunnelbau einen besonders breiter Raum gewährt, da insbesondere der Einsturz des Historischen Stadtarchivs in Köln während der Bauarbeiten für die Nord-Süd Stadtbahn in der breiten Öffentlichkeit zu großen Verunsicherungen im Zusammenhang mit dem unterirdischen Bauen geführt hat. Die STUVA als eine der zentralen Organisationen im Bereich des unterirdischen Bauens bezog hier mit einem Beitrag zu Sicherheit und Risiko im Tunnelbau als fachbereichsübergreifende Analyse Stellung und zeigte auf, dass Tunnelbau im Allgemeinen und in Innenstädten im Besonderen keine unkalkulierbaren Risiken birgt, wenn bestimmte Regeln beachtet werden. Die Folgen des Unfalls für die Kölner Verkehrs-Betriebe AG wurden vom Vorstandsmitglied der KVB, Herrn Walter Reinarz vorgetragen.

 

Dem wichtigen Thema Sicherheit widmete sich noch ein weiterer Vortragsblock, bei dem jedoch der Betrieb von Tunneln im Vordergrund stand. Dabei richtete sich der Fokus insbesondere auf den Brand im Tunnel, der nach wie vor eine der Hauptgefährdungen darstellt. Neben der Brandbekämpfung werden hier aber auch die Mitteilungen an die Nutzer und deren Evakuierung beleuchtet.

 

Ein separater Block widmete sich auch dieses Mal wieder den Rechts- und Versicherungsfragen. Auch wenn diese Themen oftmals weniger im Fokus der technikorientierten Ingenieure stehen, sind es nicht selten gerade diese Fragen, die darüber entscheiden, ob ein Projekt wirtschaftlich zum Erfolg geführt werden kann. Insofern spiegelte sich im Vortragsprogramm die Praxis wider. Diese zeigt aber auch, dass der faire Umgang der Vertragsparteien untereinander eine Grundvoraussetzung ist, damit eine so anspruchsvolle technische Aufgabe wie der Bau eines Tunnels erfolgreich und vor allem auch sicher durchgeführt werden kann.

 

Abgeschlossen wurde die Vortragsreihe von einem Themenblock zum Unterirdischen Bauen im Hamburger Raum.

 

Austellung STUVA-Tagung'09 in Hamburg

 

Die zweitätige tagungsbegleitende Fachausstellung in unmittelbarem Zusammenhang mit der Vortragsveranstaltung beanspruchte eine Netto-Standfläche von ca. 2.000 m² auf 6.000 m² Hallenfläche. Hier präsentierten 128 in- und ausländische Unternehmen aus den Bereichen Ausführung, Zulieferindustrie, Planung und Beratung ihre Produkte und Leistungen im Bereich des Tief- und Tunnelbaus dem hochkarätigen Fachpublikum.

 

Die Besichtigungen am dritten Veranstaltungstag rundeten die Veranstaltung ab und boten in bewährter Form Raum für eine Vertiefung des Gedanken- und Erfahrungsaustauschs. Die Tagungsteilnehmer waren eingeladen, sich an der Besichtigung der Baustelle HafenCity, der neuen Betriebsleitstelle im Hochbahnhaus, der 4. Elbtunnelröhre, der technischen Einrichtungen des DESY oder des Airbus-Werkes in Finkenwerder zu beteiligen.

 

Der Stadt Hamburg sagen wir herzlichen Dank für die Gastfreundschaft und den verschiedenen beteiligten Stellen für die kollegiale Unterstützung bei der Organisation der Fachbesichtigungen.

STUVA-Preis'09

Anlässlich der STUVA-Tagung verleiht die Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen e. V. - STUVA - alle zwei Jahre den STUVA-Preis für herausragende Leistungen und Innovationen auf dem Gebiet des unterirdischen Bauens, um die Idee der Nutzung des unterirdischen Raumes in der Fachwelt und in der Öffentlichkeit zu fördern. Mit diesem Preis können sowohl Persönlichkeiten als auch zukunftsweisende Projekte ausgezeichnet werden.

 

In diesem Jahr hat die Jury den STUVA-Preis 2009 in Anerkennung und Würdigung seines Lebenswerkes für den Tunnelbau an Herrn Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. Heinz Duddeck verliehen. Professor Duddeck war bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 Inhaber des Lehrstuhls und Direktor des Instituts für Statik an der Technischen Universität Braunschweig.

 

Der STUVA-Preis 2009 geht an Professor Duddeck

 

Professor Duddeck hat den Tunnelbau über viele Jahre maßgeblich beeinflusst. Ursprünglich im konstruktiven Hochbau und Brückenbau angesiedelt, erweiterte sich sein Wirkungskreis seiner Wissbegierigkeit und dem ständigen Hinterfragen folgend im Laufe der Zeit immer mehr auf das unterirdische Bauen. Erstmals mit dem Tunnelbau in Berührung kam er durch die Bearbeitung einer Statik für einen Teil der U-Bahn in Hamburg. Hierbei entwickelte er ein neues Berechnungsverfahren für den gebetteten Kreisring. Sein diesbezüglicher, gemeinsam mit Schulze veröffentlichter Artikel zu "Spannungen in schildvorgetriebenen Tunneln" ist zu einem Standardwerk geworden. Viele bis dahin gängige Berechnungsverfahren stellt er in Frage. Er kann sogar bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) einen Schwerpunkt "Tunnelbau" initiieren und wird Mitglied des Senats und des Hauptausschusses dieser Gesellschaft. Von nun an rückt der Tunnelbau für fast drei Jahrzehnte (1966 - 1996) in den Schwerpunkt seiner Tätigkeiten, was nicht zuletzt in der Gründung eines eigenen Ingenieurbüros zum Ausdruck kommt. Die Liste seiner Prüfungs- und Beratungstätigkeiten umfasste nahezu alle namhaften deutschen Projekte: Elbtunnel 1966 Hamburg, Stadtbahntunnel Gelsenkirchen (Bergbauproblematik), Tunnel der DB-Neubaustrecke Hannover-Würzburg (18 Einzelprojekte), Emstunnel Leer, Baugruben und Tunnel Potsdamer Platz Berlin, 4. Röhre Elbtunnel, Wesertunnel, BEWAG-Tunnel Berlin. Seine rund 300 Publikationen und seine cirka 250 Vorträge zeugen von seiner Aktivität.

Tagungsband

Der Tagungsband - Band 43 in der STUVA-Buchreihe "Forschung + Praxis, U-Verkehr und unterirdisches Bauen" - mit den Langfassungen aller Vorträge (jeweils in ihrer Originalsprache deutsch oder englisch und Kurzfassungen in der anderen Sprache) erschien wieder bereits zur Tagung. Er wurde an alle Tagungsteilnehmer ausgegeben. Weitere Exemplare sind über den Buchhandel oder direkt beim Verlag zu beziehen (Bauverlag BV GmbH, Profil - die Versandbuchhandlung, Avenwedder Str. 55, 33311 Gütersloh). 264 Seiten, 348 meist farbige Abbildungen und Tabellen, Format DIN A4, Broschur, ISBN 978-3-7625-3623-9, Preis € 49,-).

 

 


Forschungsförderer:
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Dräger Safety AG & Co. KGaA