Bordsteinkanten mit einheitlicher Bordhöhe und Bodenindikatoren an Überquerungsstellen

Sichere Überquerungsstellen für sehgeschädigte und gehbehinderte Menschen

An Überquerungsstellen besteht vor allem zwischen Menschen, die einen Langstock benutzen, sowie Rollstuhl- und Rollatornutzenden ein Zielkonflikt zwischen Ertastbarkeit und Überrollbarkeit sowohl für Bordkanten als auch für Bodenindikatoren. Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit, Überquerungsstellen mit einer differenzierten Bordhöhe (Nullabsenkung und 6 cm-Kante nebeneinander) zu bauen. Diese Bauform lässt sich jedoch nicht immer umsetzen und Bauaufwand und Kosten sind höher, als bei einer einheitlichen Bordhöhe. Das Forschungsvorhaben FE 70.0500/2010 wurde daher mit dem Ziel durchgeführt festzustellen, wie eine Bordkante an Überquerungsstellen mit einer einheitlichen Einbauhöhe ausgestaltet sein sollte, um einen guten Kompromiss für den beschriebenen Zielkonflikt zu erreichen. Zudem war zu klären, welche Strukturen für Bodenindikatoren aus Sicht unterschiedlicher Gruppen mobilitätseingeschränkter Menschen hinsichtlich Taktilität und Berollbarkeit am besten geeignet sind.

Für das Projekt wurden fast 1.500 blinde und sehbehinderte Menschen zu ihren Erfahrungen bezüglich der Mobilität im Straßenraum befragt. Auf Grundlage dieser Befragung und einer umfangreichen, internationalen Literaturrecherche fand anschließend bei der STUVA unter intensiver Beteiligung von Menschen mit rollenden Hilfsmitteln sowie blinden und sehbehinderten Menschen eine Untersuchung statt. Unterschiedliche Bordkantenformen sowie Bodenindikatoren wurden durch objektive Messungen (Kraftaufwand, Erschütterungen) sowie umfangreiche Begehungen mit über 100 Probanden überprüft. Im Ergebnis zeigte sich, welche Bordformen und Bodenindikatoren für einen Einbau an Überquerungsstellen bevorzugt werden sollten.

Die Untersuchungsergebnisse bestätigten eine einheitliche Einbauhöhe von 3 cm für die Bordkante als weiterhin geeigneten Kompromiss, auch wenn damit vor allem für Rollstuhl- und Rollatornutzer einerseits sowie blinde und sehbehinderte Menschen andererseits Erschwernisse verbunden sind. Es wurden grundlegende und detaillierte Empfehlungen für die Ausbildung von Bordkanten an Überquerungsstellen mit einheitlicher Bordhöhe sowie Strukturen von Bodenindikatoren im Hinblick auf die Taktilität mit dem Langstock und den Füßen sowie die Überrollbarkeit ausgearbeitet. Diese Ergebnisse wurden den Selbsthilfeverbänden in mehreren Workshops vorgestellt und mit diesen diskutiert. Die Ergebnisse zu den Bordkanten wurden bereits in der DIN 18040-3 Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 3: Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum (Ausgabe 2014) berücksichtigt. Darüber hinaus konnte durch das Vorhaben zusätzlicher Forschungsbedarf für weitere Verbesserungsmöglichkeiten an Überquerungsstellen aufgezeigt werden.

Verkehr & Umwelt
Auftraggeber
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, vertreten durch die Bundesanstalt für das Straßenwesen (BASt)
Partner
ISUP Ingenieurbüro für Systemberatung und Planung GmbH, Dresden; Institut Verkehr und Raum der Fachhochschule Erfurt
Leistungszeitraum
2012 - 2014
Standort
Deutschland
Leistungen
  • Forschung & Entwicklung

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