Historie

Die Geburtsstunde der Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen e.V. - STUVA schlug am 15. Juni 1960 mit der Eintragung des Ver­eins in das Register des Amtsgerichts Düsseldorf. Mit ideeller Unterstützung mehre­rer Bundes- und Länderministerien beschlossen 22 Gründungsmitglieder, die For­schungstätigkeit auf dem Gebiet des innerstädtischen Verkehrs und des unter­irdischen Bauens im Rahmen einer gemeinnützigen, neutralen Gesellschaft zu för­dern. Zu den Unterzeichnern der Gründungsurkunde gehörte übrigens auch der spätere Bundespräsident Dr. Richard Freiherr von Weizsäcker in seiner damaligen Funktion als Mitinhaber des Bankhauses Waldhausen & Co. in Düsseldorf.

 

Der STUVA-Gründung vorangegangen war 1959 eine Diskussion, die der Mülheimer Kaufmann Karl Schmitz-Scholl, alleiniger Gesellschafter der Tengelmann-Betriebe und der WISSOLL-Schokoladen- und Süßwarenfabrik, initiiert hatte. Er sah drei Problembereiche für den dicht besiedelten Ballungsraum Rhein-Ruhr:

 

  • die zunehmenden und in der Zukunft noch gravierender werdenden Verkehrs­probleme,
  • die Notwendigkeit des zivilen Bevölkerungsschutzes aufgrund der angespannten politischen Lage,
  • die absehbare Krise im Bergbau und in der Montanindustrie.

Schmitz-Scholl schlug vor, mit dem Bau eines unterirdischen Bahnsystems unter dem Rhein-Ruhrgebiet einen maßgeblichen Beitrag zur Lösung aller drei Problem­bereiche zu liefern. Die Zeit war offensichtlich reif für diese Überlegungen, ähnliche Vorschläge waren Mitte der 50er Jahre bereits gemacht worden. Aber die entscheidende Initialzündung zur Umsetzung derartiger Gedanken gab Herr Schmitz-Scholl: unter der Voraussetzung, daß eine gleich hohe Gegenfinanzierung durch andere interessierte Kreise erfolgte, stellte er eine Anfangsfinanzierung zur Gründung einer Studiengesellschaft bereit, die seine Gedanken wissenschaftlich auf breiter Basis weiterverfolgen sollte.

 

Eine der ersten Aktivitäten der STUVA war im Jahr 1961 die Durchführung eines Ideenwettbewerbes, der unter dem Namen "Schmitz-Scholl-Wettbewerb" bekannt wurde. Architekten, Ingenieure und Firmen aus dem ganzen Bundesgebiet beteilig­ten sich an der Aufgabe, Vorschläge für eine kombinierte Nutzung des unterirdischen Bauraumes für ein Bahnsystem und für Bevölkerungsschutz zu erarbeiten. In den Forschungsaufträgen der ersten Jahre von Bund, Ländern und Gemeinden war eine solche Kombination in der Regel ebenfalls Schwerpunkt der Themenstellung. Nicht zu vergessen ist, daß sich die STUVA mit diesen Arbeiten seinerzeit nicht nur Freunde machte: Insbesondere der Zivilschutz war kein einhellig beliebtes und akzeptiertes Thema.

 

Die Spanne widersprüchlicher Meinungen war beträchtlich: während die einen glaubten, nun sei die Basis für ein großes "Maulwurf-Imperium" geschaffen, warteten die anderen darauf, daß diese Gesellschaft genauso schnell wieder in der Versenkung ver­schwinden würde, wie ähnliche Vorgängerorganisationen.

 

So war es nur logisch, daß in der zweiten Hälfte der 60er Jahre die Arbeit der STUVA auf eine breitere Basis gestellt wurde. Die Grundlagen für zahlreiche Gebiete, auf denen das Expertenwissen der STUVA heute gefragt ist, wurden damals gelegt. Wenn z.B. der Rat der STUVA in Fragen der Bauwerksabdichtung - sei es bei Tunneln oder Tiefgaragen, bei Staumauern, bei Parkdecks oder anderen Hochbauten - im In- und Ausland eingeholt wird, hat dies seine Wurzeln in grundlegenden Forschungsarbeiten aus dieser Zeit und der nachfolgenden intensiven weiteren Beschäftigung mit dieser Thematik.

 

Waren die ersten 10 Jahre der STUVA-Arbeiten am Sitz in Düsseldorf vorwiegend von "Schreibtischtätigkeit" geprägt, kam es ab Anfang der 70er Jahre verstärkt zu Aufträgen, bei denen praxisnahe Versuche und Feldarbeit erforderlich waren: Brandversuche in einem Bunker in Hamburg und in einem stillgelegten Tunnel im Saarland, Versuche zum Verhalten von einbetonierten Fugenbändern in Hallen von Mitgliedsfirmen, umfangreiche Fahrgastbefragungen in Bussen und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs sind nur einige Beispiele. Dies führte u.a. dazu, daß einige Mitarbeiter über mehrere Jahre auf "STUVA-Außenstellen" tätig waren.

 

Eine Vereinigung der STUVA-Mannschaft konnte vorgenommen werden, als An­fang 1977 in Köln ein eigenes Bürogebäude mit einer Versuchshalle bezogen wur­de. Nach Jahren der Provisorien waren damit vergleichsweise optimale Arbeitsbedingungen gegeben.

 

Diese konnten noch weiter verbessert werden, als im April 1987 die zweite Versuchshalle fertiggestellt und 1991 das Nachbar­grundstück mit einer vorhandenen Halle erworben wurde. Damit stehen ins­gesamt 1900 m² Hallenfläche zur Verfügung, die für Versuchs- und Testanlagen unterschiedlichster Ausführung und Aufgabenstellung genutzt werden.

 

Zur Bearbeitung von Aufträgen auch aus der freien Wirtschaft wurde 1996 die "STUVAtec - Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen mbH" (jetzt: STUVAtec - Studiengesellschaft für Tunnel und Verkehrsanlagen mbH, Geschäftsführer: Dr.-Ing. Roland Leucker) ausgegliedert.

27.07.2016DRUCKEN